Episoden

Fazit: Seit wir Schildkröten halten, hat sich unser Leben grundlegend verändert. Wir freuen uns darauf, nach einem gestressten Arbeitstag Ruhe in unseren „Oasen“ zu finden. Es gibt für uns kaum etwas entspannenderes, als die Tiere in ihrem Tagesrhythmus zu beobachten.
Auf dieser Seite wollen wir über kleine Ereignisse berichten, die uns mit den Tieren passiert sind. Ein Ende ist hoffentlich nicht abzusehen.

Im Jahr 2006 wollte unser Tm-Weibchen einfach nicht legen. Langsam wurden wir immer besorgter, schoben es aber darauf, dass sie sehr lange geschlafen hatte und sich erst an das neue Gehege gewöhnen musste. Als aber der Vorbesitzer mitgeteilt hatte, dass sein anderes Weibchen gelegt hatte, wurden wir unruhig. Ende Juni besuchte uns M. Kachel mit ihrem Mann, um sich das neue Gehege anzusehen. Wenige Stunden später fing das Weibchen an zu graben. Gelegt hat sie dann am nächsten Morgen. Es mussten eben erst Kachel’s kommen, damit das Weibchen legt. Denn dass wir ihr vorher angedroht hatten, sie zu Schildkrötensuppe zu verarbeiten, hatte nichts genützt.
Als unsere ersten Thb-Schlüpflinge futterfest waren, haben wir sie ins Babygehege umgesiedelt. Nach dem ersten Tag im Freien haben wir am Abend kontrolliert, ob alle den Weg zurück ins Frühbeet gefunden hatten. Mit Erschrecken mussten wir feststellen, dass zwei Babys gefehlt haben. Wir haben alles abgesucht – vergebens. Dann haben wir das gesamte Erdreich aus dem Frühbeet und dem Freigehege durchgesiebt – nichts! Mit Entsetzen haben wir festgestellt, dass aus dem winzigen Spalt zum Gehege der adulten Tiere, den wir verstopft hatten, das Material herausgefallen war. Wir haben Meter für Meter das Gras bei den adulten Tieren mit einer Rasenkantenschere abgeschnitten. Zwei Tage später rief unser Sohn: „Ich sehe ein Baby.“ Das zweite haben wir noch ein paar Tage später am anderen Ende des Geheges gefunden – für uns alle ein unvorstellbares Wunder.
Der Schlupftermin für die Terrapene-Eier war herangerückt. Da wir mit dem ersten Gelege Pech hatten, waren wir hier um so besorgter, als plötzlich ein Ei leicht angerissen war. Als aus diesem Riss etwas Flüssigkeit trat, haben wir das Ei vorsichtig aus dem Brutsubstrat herausgenommen. Wir haben überlegt, ob wir das Ei öffnen oder nicht – es dann aber zurück in den Brutapparat gelegt in eine andere Schale mit feuchter Küchenrolle. Am nächsten Tag wollten wir nachsehen. Da schaut uns doch tatsächlich ein vorwitziger Eizahn an. Als das zweite Ei dann auch Flüssigkeit absonderte, waren wir nicht mehr beunruhigt sondern einfach nur froh. So muss das also sein bei „Eier-Dosen“.
Unseren neuen Thb-Weibchen hatten wir für den Fall aller Fälle einen kleinen Legehügel im Quarantäne-Gehege eingerichtet. Beide waren seit Tagen unruhig und als wir am Sonntag Nachmittag von einem Spaziergang zurück kamen, saß ein Weibchen auf dem Legehügel. Irgend etwas hat ihr nicht gepasst. Sie hat noch mehrere Versuche unternommen und ließ sich dann nicht mehr aufhalten. Auch nicht, als es anfing zu regnen, zu gewittern, zu stürmen und zu hageln. Die Eier, die wir dann geborgen haben, schwammen im Wasser. Vielleicht züchten wir jetzt auch noch Wasserschildkröten? Wir mussten sogar frische, trockene Erde um die Legegrube tun, damit das Weibchen das Loch wieder zuschieben konnte.
Im September 2007 waren wir schon sehr überrascht, als wir im Gewächshaus noch ein Gelege Griechen-Eier entdeckt hatten. Aber was im Oktober 2008 passierte, ist fast unmöglich! Fast alle Schildkröten waren schon fertig für die Winterstarre. Bloß ab und zu waren noch ein paar von den adulten Tieren im Gewächshaus. Als ich auf dem Legehügel Grabespuren entdeckte, dachte ich zuerst, dass es sich dort eine Schildkröte gemütlich machen wollte. Ich habe das „Loch“ zu gemacht mit dem Ergebnis, dass es am nächsten Tag wieder da war. Da der Legehügel mittlerweile staubtrocken war, haben wir ihn angefeuchtet. Am nächsten Tag hat doch tatsächlich noch ein Weibchen ein spätes Gelege (es war der 20.10.!) mit fünf riesengroßen Eiern abgesetzt.
Wir haben schon ganz schön unser Glück strapaziert, was das Wiederfinden entlaufener Schildkröten betrifft. Eigentlich sind alle unsere Gehege ausbruchsicher. So auch der kleine Teich, in dem wir seit 2010 unsere neue Schildkrötenart, die Europäischen Sumpfschildkröten, halten. Dachten wir zumindest. Nach Tagen mit Dauerregen im August 2010 ist der Teich so vollgelaufen, dass die Emys ihn verlassen konnten. Er ist aber noch eingezäunt und eigentlich hätte keine Schildkröten entweichen können. Eigentlich. Wir haben aber nicht mit solchen Kletterkünsten gerechnet. Als es jedenfalls an unserer Tür klingelte und mir jemand in einer Schachtel eine Europäische Sumpfschildkröte brachte, dachte ich, er wollte sie mir geben, weil er gehört hat, dass wir welche haben und er vielleicht kein Interesse mehr hätte. Ich habe mich bedankt, bin zum Teich gegangen, wollte sie hinein setzen und musste mit Erstaunen feststellen, dass es eine der unseren Emys war. Sie hat ca. 600 m Luftlinie zu dem Nachbarn zurück gelegt, durch andere Gärten, die auch Teiche haben. Welch ein Glück – für uns – , dass sie sich nicht entschlossen hatte, zukünftig in einem dieser Teiche zu leben. Wahrscheinlich wollte sie nur in diesem regen-feuchtem Gras spazieren gehen. Das Gehege ist jetzt jedenfalls gesichert, damit so etwas nicht wieder passiert.